Großstadtromantik und andere Kleinigkeiten

 

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Mittwoch.

Samstag war ich mit ihr im Park, wobei Park vielleicht nicht die richtige Bezeichnung ist. Eher... Wald?

Jedenfalls waren wir den ganzen Nachmittag dort, waren spazieren, haben uns in die Wiese gesetzt, gequatscht, gelacht und so weiter. Es war ein feiner Nachmittag. Wir haben uns bei der Ubahn getroffen und sind dann den kleinen Weg zum Haupteingang des Waldes (ist quasi ein Naturschutzgebiet, mit frei laufenden Tieren und frei wachsenden Bäumen) gegangen, dort dann rein und dann nen kleinen Steinweg rauf. Ich war nach wenigen Minuten außer Atem, was wohl auf meinen großzügigen Zigarettenkonsum zurückzuführen ist. Haben uns dann, nach ein paar Minuten, in die Wiese gesetzt, sie hatte ihre Ellbogen an die Knie gelehnt, saß mit abgewinkelten Beinen da und lächelte mich an. Es war kein romantisches Lächeln, eher ein "Nett, mit dir da zu sein" Lächeln, defacto also recht belanglos.

Wir haben uns gut unterhalten, wieder über Familie, Wünsche und Träume geredet, immer wieder einen Witz gemacht und insgesamt unser Wissen über den jeweils anderen ausgebaut.

Nach einer gewissen Zeit sind wir weiter, dann direkt in den Wald und haben die Natur genossen. Sie war ganz fasziniert, dass die Gegend wie ausgestorben war und wir quasi die einzigen beiden in diesem Dickicht aus Bäumen und Wiesen waren.

Irgendwann waren wir bei einer größeren Lichtung und setzten uns auf eine steinerne Bank, hinter uns der Wald, vor uns der Blick auf die Lichtung und dahinter weitere Bäume. Sie erzählte mir von Neuseeland, der Freiheit, die sie dort berührt hat, den Menschen, die sie traf, den Fallschirmsprüngen über Gletscher und die ewige Landschaft. Die Leidenschaft in ihrer Stimme war schon beeindruckend, da konnten meine Stories über das Lechtal und den dortigen Wasserfall nicht mithalten. Aber ich war nie ein Reisender, ich genieße die Großstadt und hole mir den weltlichen Kick lieber über Musik und Bilderstrecken im Internet.

Sie hatte nicht allzu lange Zeit, weshalb wir unseren Spaziergang abkürzten und wieder zurück zur Ubahn sind. Die Ubahnfahrt und der anschließende "Spaziergang" durch die Stadt waren ziemlich ernüchternd. Ich wusste, dass sie bald gehen müsste, dass das nächste Treffen nicht so bald stattfinden würde und mein Interesse wohl nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Auch das veranlasste mich aber nicht zur vollen Offensive, weshalb wir wie gute Freunde durch die menschenleeren Straßen gingen und ich mich mit der Zeit zwingen musste, gute Gesprächsthemen zu finden.
Von ihrer Ablehnung gegen Zivilisation und Moderne ließ ich mich alsbald anstecken und war richtig angeekelt von dem Moloch, durch den wir uns bewegten. Die griesgrämigen Menschen, die ab und zu an uns vorbei gingen, die stinkenden Pisslacken der Hunde, die vorbeifahrenden Autos, alles nervte und machte mich unrund.

Wir setzten uns in eins meiner früheren Stammlokale, aber auch dort wurde meine Stimmung nicht besser. Ich trank ein Soda Zitrone, sie einen Apfelsaft gespritzt und wir waren sichtlich müde vom vorherigen Spaziergang. Ich merkte ihr Desinteresse für Musik, Filme, die Stadt, alles Leidenschaften, die mich seit jeher am Leben erhielten. Das war aber nicht das Hauptproblem. Ich hatte eine junge, abenteuerlustige, aktive Frau vor mir, der ich wohl nicht den Kick bieten konnte, den sie suchte. Ein paar Jahre später vielleicht, wenn das Leben langsam zur Normalität wird und man beginnt, an seiner Zukunft zu basteln, wäre diese Kennenlernphase zielführender gewesen. Wir teilen die selben Ansichten, sind auf einer geistigen Ebene, trotzdem trennen uns Welten. Die paar Witze, über die beiden lachen, können das wohl kaum ausgleichen.

Ich begleitete sie danach noch zur Ubahn, sie war auf dem Weg zu einem "Freund" und natürlich überkommt einen bei solchem Wissen die Eifersucht, da man selbst gerne dieser "Freund" wäre. So aber entließ ich sie in das Wochenende und glitt apathisch und schlapp durch die Straßen auf dem Weg nachhause. Meine Glieder waren schlaff und meine Augen starr, man sah mir den Verlust jeglicher Lebensfreude an. Zuhause angekommen pendelte ich gelangweilt zwischen PC und Fernseher hin und her, nahm hin und wieder ein Buch in die Hand, glotzte aus dem Fenster, legte mich ins Bett, fand aber keine zufriedenstellende Beschäftigung.
Wer weiß, wie das ganze weitergeht. Die Hoffnung hab ich mittlerweile aufgegeben, das ganze gipfelte dann in einer alkoholgetränkten SMS, aber das ist eine andere Geschichte.

Schönen Tag.
21.7.10 12:32
 
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